Nach der Fahrt von Oslo nach Tønsberg (der nächst größere Stadt, die im Gegensatz zu Andebu auch einen Bahnhof hat) wurden wir von Susanne’s Kontaktperson abgeholt und sind zunächst ein bisschen durch Andebu gefahren um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Anschließend brachte sie uns zu unserem Haus und wir hatten den Rest des Tages Zeit um uns einzuleben.
Andebu gilt mit seinen 5000 Einwohner, für norwegische Verhältnisse, als Kleinstadt. Davon merkt man hier aber nicht besonders viel, da alle Häuser über eine ziemlich große Fläche verteilt sind. So sieht man selten mehr als fünf Häuser auf einem Fleck. Auch im Zentrum sucht man nahezu vergeblich Wohnhäuser, jedoch gibt es hier einen großen Supermarkt, ein Restaurant, einen Frisör, einen Handwerks- und Haushaltsladen, einen Kindergarten, eine Schule, einen Sportplatz, einen stiftungseigenen Laden, allerlei Verwaltungsgebäude, die Haupt-Bushaltestelle, sowie eine Tankstelle.
Die Tankstelle ist sehr bedeutend für mich, da am 30. Oktober mein Papa mir endlich mein Auto bringt! Dieses wird hier vieles erleichtern:
Das Busnetz Andebus ist nicht sonderlich gut ausgebaut, was bedeutet, dass der Bus unter der Woche nur jede Stunde kommt, Samstags alle 2-3 und Sonntags gar nicht. Das erschwert es uns erheblich die nähere Umgebung kennen zu lernen, oder gar Städte wie Tønsberg, Sandefjord oder Oslo zu.
Auch befindet sich unser weißes Holzhäuschen nicht etwa im Zentrum, sondern eine gute halbe Stunde Fußmarsch entfernt auf einem Berg in der Nähe der Stiftung. Kleine Einkäufe sind also verhältnismäßig sehr zeitintensiv und Großeinkäufe sehr anstrengend, wenn der ganze Berg wieder hoch gelaufen werden muss!
Unser Holzhaus ist sehr gemütlich, wenn auch einfach, eingerichtet und es lebt sich hier wie in einer kleinen Ferienhütte. Auf der unteren Etage befinden sich ein Badezimmer, ein kleiner Flur der einen ins Wohnzimmer führt, die Küche, sowie Susannes Zimmer. Auf der oberen Etage sind zwei Abstellkammern, ein Gästezimmer sowie mein Zimmer.
Hier habe ich mein Bett, einen Schreibtisch, einen Sessel und eine kleine Kommode. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich ein Feld, und noch ein Feld, und noch ein Feld und am Horizont ein paar Bäume. Dies ist verdammt ungewohnt wenn man eigentlich aus der Großstadt kommt!
Unsere beiden Nachbarhäuser sind Bewohnerhäuser von Nøkkelbo, also der “Erwachsenenabteilung” meines Projektes.
Wir hatten zwar schon einen 2-Tägigen Stromausfall und der Abfluss ist schon übergelaufen, aber alles in allem bin ich sehr zu frieden mit unserer Ankunft, vor allem wenn man bedenkt wie es andere Freiwillige getroffen hat (siehe Hannes’ Blog)!

Mein Zimmer, der Ausblick aus meinem Zimmer und das Gästezimmer
….
So wie unsere Nachbarhäuser, gibt es Bewohnerhäuser und Arbeitsstätten über ganz Andebu verteilt: einige abgelegen, mehrere im Zentrum, hauptsächlich aber auf dem Stiftungseigenen Gelände. Dieses ist in ca. fünf bis zehn Gehminuten, von unserem Haus aus, zu erreichen. Hier befinden sich neben den Wohnhäusern auch ein Bauernhof, ein kleines Sägewerk mit Holzwerkstatt, weitere Verwaltungsgebäude, verschiedene Arbeitsstätten, eine kleine Schwimmhalle, die drei Wohnhäuser der Internatsschüler sowie mein eigentlicher Arbeitsplatz: Die Schule.
Die Schule ist für ihre derzeit ca. 20 Schüler verhältnismäßig groß. Man könnte das Erdgeschoss in drei Abteilungen unterteilen: Zunächst einmal der eigentliche “Schulbereich”. Hier gibt es für jede der vier Schülergruppen einen Klassenraum, einen gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum, einen kleinen Musikraum sowie eine Turn-/Mehrzweckhalle. Weiterhin gibt es im Erdgeschoss eine große Bibliothek sowie, als dritten Bereich, einen Versammlungsraum und Klassenräume wo Zeichensprache gelehrt wird.
In der oberen Etage befindet sich die komplette Schulverwaltung sowie ein Lehrerzimmer und in der unteren Etage sind Handwerksräume.
Um euch das alles zu verdeutlichen werd ich mich die Tage mal auf den Weg machen und das beschriebene mit Fotos dokumentieren…


November 17, 2008 um 12:05
Lieber Timo, liebe Susanne, liebe Mitleser!
Das Auto ist nun (endlich!, wird Timo sagen) in Andebu und ich bin (längst) zurück in Düsseldorf. Es waren drei schöne Tage für mich dort oben: Die Landschaft ist wundervolln, die Leute sind sehr (!) nett, das Häuschen ist gemütlich (ich schlief wie in Abrahams Schoß) und der Ort Andebu gibt sich – na ja, sagen wir – übersichtlich.
Besuche in Tönsberg (ich fand heraus, wo es guten Cappuccino und kostenlose Parkplätze gibt) und Sandefjord (Achtung: Die Touristen-Info schließt um 16 Uhr!) brachten mir ein Gefühl für norwegische Beschaulichkeit .
Der Samstag in Oslo war natürlich zu knapp, um die ganze Stadt zu druchwandern. Aber ich konnte einen Eindruck gewinnen: Die Stadt ist relativ teuer, aber sie hat Flair und lädt zum Verweilen ein.
Natürlich hatten Timo und ich auch Zeit für einander; ein Klön-Abend und Gespräche zwischendurch taten mir nach Wochen ASF-bedingter Vater-Sohn-Abstinenz
wirklich gut (und Timo – glaube ich – auch). Ich lernte Susanne kennen, mit der Timo das Häuschen teilt und die ebenfalls in Andebu arbeitet, und zu dritt spielten wir Siedler (Timo gewann – wie meistens).
Staunen durfte ich über die Einrichtung, in der Timo arbeitet, und über die tolle Ausstattung für Schüler und Bewohner. Die Musikgruppe, in der Timo sich u.a. engagiert, ist offenbar weltberühmt; sie war schon in vielen fernen Ländern und fährt demnächst (wohl wie jedes Jahr) nach Schweden.
Sonntags flog ich zurück: mit Ryanair ab Torp (knapp eine Stunde von Andebu) nach Bremen und von dort mit dem Zug nach Hause.
Alles in allem: Ein erlebnisreicher Kurzurlaub für mich, der mir Freude bereitet hat.
Viele Grüße
Jan