Archiv für Oktober 2008

Ankunft im Projekt – oder: das ist Andebu

Oktober 21, 2008

Nach der Fahrt von Oslo nach Tønsberg (der nächst größere Stadt, die im Gegensatz zu Andebu auch einen Bahnhof hat) wurden wir von Susanne’s Kontaktperson abgeholt und sind zunächst ein bisschen durch Andebu gefahren um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Anschließend brachte sie uns zu unserem Haus und wir hatten den Rest des Tages Zeit um uns einzuleben.

Andebu gilt mit seinen 5000 Einwohner, für norwegische Verhältnisse, als Kleinstadt. Davon merkt man hier aber nicht besonders viel, da alle Häuser über eine ziemlich große Fläche verteilt sind. So sieht man selten mehr als fünf Häuser auf einem Fleck. Auch im Zentrum sucht man nahezu vergeblich Wohnhäuser, jedoch gibt es hier einen großen Supermarkt, ein Restaurant, einen Frisör, einen Handwerks- und Haushaltsladen, einen Kindergarten, eine Schule, einen Sportplatz, einen stiftungseigenen Laden, allerlei Verwaltungsgebäude, die Haupt-Bushaltestelle, sowie eine Tankstelle.
Die Tankstelle ist sehr bedeutend für mich, da am 30. Oktober mein Papa mir endlich mein Auto bringt! Dieses wird hier vieles erleichtern:
Das Busnetz Andebus ist nicht sonderlich gut ausgebaut, was bedeutet, dass der Bus unter der Woche nur jede Stunde kommt, Samstags alle 2-3 und Sonntags gar nicht. Das erschwert es uns erheblich die nähere Umgebung kennen zu lernen, oder gar Städte wie Tønsberg, Sandefjord oder Oslo zu.
Auch befindet sich unser weißes Holzhäuschen nicht etwa im Zentrum, sondern eine gute halbe Stunde Fußmarsch entfernt auf einem Berg in der Nähe der Stiftung. Kleine Einkäufe sind also verhältnismäßig sehr zeitintensiv und Großeinkäufe sehr anstrengend, wenn der ganze Berg wieder hoch gelaufen werden muss!

Unser Holzhaus ist sehr gemütlich, wenn auch einfach, eingerichtet und es lebt sich hier wie in einer kleinen Ferienhütte. Auf der unteren Etage befinden sich ein Badezimmer, ein kleiner Flur der einen ins Wohnzimmer führt, die Küche, sowie Susannes Zimmer. Auf der oberen Etage sind zwei Abstellkammern, ein Gästezimmer sowie mein Zimmer.
Hier habe ich mein Bett, einen Schreibtisch, einen Sessel und eine kleine Kommode. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich ein Feld, und noch ein Feld, und noch ein Feld und am Horizont ein paar Bäume. Dies ist verdammt ungewohnt wenn man eigentlich aus der Großstadt kommt!
Unsere beiden Nachbarhäuser sind Bewohnerhäuser von Nøkkelbo, also der “Erwachsenenabteilung” meines Projektes.

Wir hatten zwar schon einen 2-Tägigen Stromausfall und der Abfluss ist schon übergelaufen, aber alles in allem bin ich sehr zu frieden mit unserer Ankunft, vor allem wenn man bedenkt wie es andere Freiwillige getroffen hat (siehe Hannes’ Blog)!


Mein Zimmer, der Ausblick aus meinem Zimmer und das Gästezimmer
….

So wie unsere Nachbarhäuser, gibt es Bewohnerhäuser und Arbeitsstätten über ganz Andebu verteilt: einige abgelegen, mehrere im Zentrum, hauptsächlich aber auf dem Stiftungseigenen Gelände. Dieses ist in ca. fünf bis zehn Gehminuten, von unserem Haus aus, zu erreichen. Hier befinden sich neben den Wohnhäusern auch ein Bauernhof, ein kleines Sägewerk mit Holzwerkstatt, weitere Verwaltungsgebäude, verschiedene Arbeitsstätten, eine kleine Schwimmhalle, die drei Wohnhäuser der Internatsschüler sowie mein eigentlicher Arbeitsplatz: Die Schule.

Die Schule ist für ihre derzeit ca. 20 Schüler verhältnismäßig groß. Man könnte das Erdgeschoss in drei Abteilungen unterteilen: Zunächst einmal der eigentliche “Schulbereich”. Hier gibt es für jede der vier Schülergruppen einen Klassenraum, einen gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum, einen kleinen Musikraum sowie eine Turn-/Mehrzweckhalle. Weiterhin gibt es im Erdgeschoss eine große Bibliothek sowie, als dritten Bereich, einen Versammlungsraum und Klassenräume wo Zeichensprache gelehrt wird.
In der oberen Etage befindet sich die komplette Schulverwaltung sowie ein Lehrerzimmer und in der unteren Etage sind Handwerksräume.

Um euch das alles zu verdeutlichen werd ich mich die Tage mal auf den Weg machen und das beschriebene mit Fotos dokumentieren…

Vorbereitungsseminar Oslo

Oktober 2, 2008

…nachdem wir zurück gewandert und mit der Fähre übergesetzt sind kamen wir am Mitwoch den 17. September in der deutschen Gemeinde an. Im Gemeindesaal haben wir die nächsten fünf Tage übernachtet, das Seminar abgehalten und uns in der angrenzenden Küche weiterhin selbst versorgt.

Das Oslo-Seminar bestand im wesentlichen daraus die Stadt an sich kennen zu lernen: Wir haben verschiedene Einrichtungen wie das „Storting“ (Parlamentsgebäude), das Holocaust Center und die Oper mit der gesamten Freiwilligen-Gruppe besichtigt. Am Freitag wurden wir dann in zweier Gruppen aufgeteilt und haben Organisationen und Einrichtungen der Stadt besucht. Ich war mit Samuel in der „Bymisjon“ (Stadtmission) und konnte hier einiges über Obdachlose, Drogenabhängige und soziale Ausgrenzung in Oslo erfahren. Ein sehr interessantes Gespräch, wo man doch eigentlich immer positives über das norwegische Sozialsystem hört.

Abgesehen von diesen Seminarpflichtpunkten hatten wir aber auch genügend Freizeit um die Stadt auf eigene Faust kennen zu lernen. Dies beschränkte sich aber im wesentlichen auf das Stadtzentrum: Dieses ist geprägt von der „Karl Johans Gate“, der Hauptstrasse, die Vom Bahnhof bis zum Schloss führt und das pulsierende Leben Oslos in ihrem Umkreis versammelt. Hier finden sich Geschäfte, Bars, Kneipen, Clubs, die Universität u.ä..
So war ich in verschiedenen Geschäften, habe mir eine Norwegische Handynummer besorgt, habe einfach am Hafen gesessen und das Wetter genossen und bin mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren. Die beiden Wochenend-Abende war ich, mit einem Freiwilligen, der schon seit einem halben Jahr in Norwegen ist, in zwei Clubs. Hier erreichen die Preise (die eh schon unglaublich – und in diesem Umfang unerwartet – hoch sind), ihren Höhepunkt! So zahlt man für die einfachsten Clubs ca. 12€ Eintritt und für ein Bier ca. 9€! Aber auch in den Supermärkten ist man zu Hause ganz andere Preisdimensionen gewohnt und so werde ich wohl das nächste Jahr verdammt sparsam leben müssen…

Die Preise sind aber auch das einzig negative was ich über Oslo sagen kann. Hiervon abgesehen bin ich durchweg begeistert von dieser Stadt! So freue ich mich auch am nächsten Wochenende die Freiwilligen dort zu besuchen und weitere zwei Tage in Oslo verbringen zu können…

die Karl Johans Gate