Projektbericht

März 12, 2009 von Timo de Vries

Liebe Freunde, liebe Bekannte, liebe Förderer

jetzt bin ich nun schon 5 Monate hier in Andebu und ich muss zugeben ich habe meinen Blog vernachlässigt. Nun habe ich aber meinen ersten Projektbericht zu Ende geschrieben und hoffe euch somit einen Einblick vermitteln zu können, was ich bisher hier erlebt habe.

Den Projektbericht als PDF findet ihr hier:

Projektbericht

Die Bilder des Projektberichts sowie viele weitere findet ihr hier:

Bilder

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Ankunft im Projekt – oder: das ist Andebu

Oktober 21, 2008 von Timo de Vries

Nach der Fahrt von Oslo nach Tønsberg (der nächst größere Stadt, die im Gegensatz zu Andebu auch einen Bahnhof hat) wurden wir von Susanne’s Kontaktperson abgeholt und sind zunächst ein bisschen durch Andebu gefahren um einen ersten Eindruck zu gewinnen. Anschließend brachte sie uns zu unserem Haus und wir hatten den Rest des Tages Zeit um uns einzuleben.

Andebu gilt mit seinen 5000 Einwohner, für norwegische Verhältnisse, als Kleinstadt. Davon merkt man hier aber nicht besonders viel, da alle Häuser über eine ziemlich große Fläche verteilt sind. So sieht man selten mehr als fünf Häuser auf einem Fleck. Auch im Zentrum sucht man nahezu vergeblich Wohnhäuser, jedoch gibt es hier einen großen Supermarkt, ein Restaurant, einen Frisör, einen Handwerks- und Haushaltsladen, einen Kindergarten, eine Schule, einen Sportplatz, einen stiftungseigenen Laden, allerlei Verwaltungsgebäude, die Haupt-Bushaltestelle, sowie eine Tankstelle.
Die Tankstelle ist sehr bedeutend für mich, da am 30. Oktober mein Papa mir endlich mein Auto bringt! Dieses wird hier vieles erleichtern:
Das Busnetz Andebus ist nicht sonderlich gut ausgebaut, was bedeutet, dass der Bus unter der Woche nur jede Stunde kommt, Samstags alle 2-3 und Sonntags gar nicht. Das erschwert es uns erheblich die nähere Umgebung kennen zu lernen, oder gar Städte wie Tønsberg, Sandefjord oder Oslo zu.
Auch befindet sich unser weißes Holzhäuschen nicht etwa im Zentrum, sondern eine gute halbe Stunde Fußmarsch entfernt auf einem Berg in der Nähe der Stiftung. Kleine Einkäufe sind also verhältnismäßig sehr zeitintensiv und Großeinkäufe sehr anstrengend, wenn der ganze Berg wieder hoch gelaufen werden muss!

Unser Holzhaus ist sehr gemütlich, wenn auch einfach, eingerichtet und es lebt sich hier wie in einer kleinen Ferienhütte. Auf der unteren Etage befinden sich ein Badezimmer, ein kleiner Flur der einen ins Wohnzimmer führt, die Küche, sowie Susannes Zimmer. Auf der oberen Etage sind zwei Abstellkammern, ein Gästezimmer sowie mein Zimmer.
Hier habe ich mein Bett, einen Schreibtisch, einen Sessel und eine kleine Kommode. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich ein Feld, und noch ein Feld, und noch ein Feld und am Horizont ein paar Bäume. Dies ist verdammt ungewohnt wenn man eigentlich aus der Großstadt kommt!
Unsere beiden Nachbarhäuser sind Bewohnerhäuser von Nøkkelbo, also der “Erwachsenenabteilung” meines Projektes.

Wir hatten zwar schon einen 2-Tägigen Stromausfall und der Abfluss ist schon übergelaufen, aber alles in allem bin ich sehr zu frieden mit unserer Ankunft, vor allem wenn man bedenkt wie es andere Freiwillige getroffen hat (siehe Hannes’ Blog)!


Mein Zimmer, der Ausblick aus meinem Zimmer und das Gästezimmer
….

So wie unsere Nachbarhäuser, gibt es Bewohnerhäuser und Arbeitsstätten über ganz Andebu verteilt: einige abgelegen, mehrere im Zentrum, hauptsächlich aber auf dem Stiftungseigenen Gelände. Dieses ist in ca. fünf bis zehn Gehminuten, von unserem Haus aus, zu erreichen. Hier befinden sich neben den Wohnhäusern auch ein Bauernhof, ein kleines Sägewerk mit Holzwerkstatt, weitere Verwaltungsgebäude, verschiedene Arbeitsstätten, eine kleine Schwimmhalle, die drei Wohnhäuser der Internatsschüler sowie mein eigentlicher Arbeitsplatz: Die Schule.

Die Schule ist für ihre derzeit ca. 20 Schüler verhältnismäßig groß. Man könnte das Erdgeschoss in drei Abteilungen unterteilen: Zunächst einmal der eigentliche “Schulbereich”. Hier gibt es für jede der vier Schülergruppen einen Klassenraum, einen gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum, einen kleinen Musikraum sowie eine Turn-/Mehrzweckhalle. Weiterhin gibt es im Erdgeschoss eine große Bibliothek sowie, als dritten Bereich, einen Versammlungsraum und Klassenräume wo Zeichensprache gelehrt wird.
In der oberen Etage befindet sich die komplette Schulverwaltung sowie ein Lehrerzimmer und in der unteren Etage sind Handwerksräume.

Um euch das alles zu verdeutlichen werd ich mich die Tage mal auf den Weg machen und das beschriebene mit Fotos dokumentieren…

Vorbereitungsseminar Oslo

Oktober 2, 2008 von Timo de Vries

…nachdem wir zurück gewandert und mit der Fähre übergesetzt sind kamen wir am Mitwoch den 17. September in der deutschen Gemeinde an. Im Gemeindesaal haben wir die nächsten fünf Tage übernachtet, das Seminar abgehalten und uns in der angrenzenden Küche weiterhin selbst versorgt.

Das Oslo-Seminar bestand im wesentlichen daraus die Stadt an sich kennen zu lernen: Wir haben verschiedene Einrichtungen wie das „Storting“ (Parlamentsgebäude), das Holocaust Center und die Oper mit der gesamten Freiwilligen-Gruppe besichtigt. Am Freitag wurden wir dann in zweier Gruppen aufgeteilt und haben Organisationen und Einrichtungen der Stadt besucht. Ich war mit Samuel in der „Bymisjon“ (Stadtmission) und konnte hier einiges über Obdachlose, Drogenabhängige und soziale Ausgrenzung in Oslo erfahren. Ein sehr interessantes Gespräch, wo man doch eigentlich immer positives über das norwegische Sozialsystem hört.

Abgesehen von diesen Seminarpflichtpunkten hatten wir aber auch genügend Freizeit um die Stadt auf eigene Faust kennen zu lernen. Dies beschränkte sich aber im wesentlichen auf das Stadtzentrum: Dieses ist geprägt von der „Karl Johans Gate“, der Hauptstrasse, die Vom Bahnhof bis zum Schloss führt und das pulsierende Leben Oslos in ihrem Umkreis versammelt. Hier finden sich Geschäfte, Bars, Kneipen, Clubs, die Universität u.ä..
So war ich in verschiedenen Geschäften, habe mir eine Norwegische Handynummer besorgt, habe einfach am Hafen gesessen und das Wetter genossen und bin mit dem Fahrrad durch die Gegend gefahren. Die beiden Wochenend-Abende war ich, mit einem Freiwilligen, der schon seit einem halben Jahr in Norwegen ist, in zwei Clubs. Hier erreichen die Preise (die eh schon unglaublich – und in diesem Umfang unerwartet – hoch sind), ihren Höhepunkt! So zahlt man für die einfachsten Clubs ca. 12€ Eintritt und für ein Bier ca. 9€! Aber auch in den Supermärkten ist man zu Hause ganz andere Preisdimensionen gewohnt und so werde ich wohl das nächste Jahr verdammt sparsam leben müssen…

Die Preise sind aber auch das einzig negative was ich über Oslo sagen kann. Hiervon abgesehen bin ich durchweg begeistert von dieser Stadt! So freue ich mich auch am nächsten Wochenende die Freiwilligen dort zu besuchen und weitere zwei Tage in Oslo verbringen zu können…

die Karl Johans Gate

Vorbereitungsseminar am Oslofjord

September 29, 2008 von Timo de Vries

Nach der Abschluss-Party in Hirschluch bin ich am 11. September mit den acht anderen Norwegen Freiwilligen nach Oslo geflogen. Hier wurden wir von von unserer Länderbeauftragten Verline Backofen, sowie drei weiteren Freiwilligen empfangen, die schon seit etwa einem halben Jahr in Norwegen sind, da sie einen Dienst über 15 Monate leisten.

Von Oslo aus fuhren wir nun mit der Fähre den Oslofjord entlang um zu einer Hütte,  unserem zu Hause für die erste Seminarhälfte, zu gelangen. Auf der Fähre konnten wir die Skyline von Oslo sowie die umliegende Natur bewundern und mir wurde das erste mal bewusst, dass ich nun in dem Land angekommen bin, in dem ich das nächste Jahr leben und arbeiten werde – ein ziemlich komisches und ungewohntes Gefühl nun wirklich angekommen zu sein und die gewohnte Heimat für so eine lange Zeit zu verlassen.
Der Fährfahrt folgte noch eine halbstündige Busfahrt sowie ein ca. 45 minütiger Marsch durch den Wald und am Fjord entlang, bis wir endlich unsere Hütte erreicht hatten. Diese lag mitten in der Wildniss und mir wurde etwas mulmig bei dem Gedanken auch in der Folgezeit in einem Dorf, abseits der gewohnten Großstadt zu leben.

Das fünftägige Hüttenseminar war inhaltlich vor allem von drei Punkten geprägt: Hauptsächlich haben wir uns mit Norwegen an sich beschäftigt. Wir haben die norwegische Geschichte kennengelernt, versucht Parteiprogramme auf norwegisch zu lesen (und uns somit richtig mit der Sprache auseinander gesetzt, die zum Glück viele dem deutschen ähnliche Wörter enthält) sowie über Kultur und norwegische Eigenheiten gesprochen (so ist es in Norwegen zum Beispiel üblich, sobald das Essen auf dem Tisch steht, anzufangen und nicht etwa auf fehlende Personen zu warten oder erst zu beginnen wenn alle Essen haben).
Weiterhin haben wir uns mit unserer persönlichen Motivation nach Norwegen zu kommen auseinandergesetzt, die Geschichten unserer Familien besprochen und einen Brief mit Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen an uns selbst verfasst (diesen bekommen wir beim Zwischenseminar, nach einem halben Jahr in Norwegen, wieder).
Abschließend wurde allerlei Organisatorisches besprochen. So muss ich in der nächsten Woche noch allerlei Behördengänge erledigen, die in der Hütte vorbereitet wurde.

Neben diesem inhaltlichen Programm, hatten wir natürlich die Gelegenheit unsere Mitfreiwilligen kennen zu lernen. Eine spannende Erfahrung, mit sovielen unterschiedlichen Charakteren aufeinander zu treffen, aber ich komme mit allen gut klar.
Wir waren im Osloford baden ( verdammt kalt!! ), haben Fussball gespielt, Lagerfeuer gemacht, zusammen gekocht, waren einen Abend in Oslo feiern, oder haben einfach nur zusammen am Kamin gesessen (gequatscht, Karten gespielt, Musik gehört, gelesen, etc.)

Nach diesen , von der Natur geprägten, ersten Norwegen-Eindrücken sind wir nach 5 Tagen zurück nach Oslo, zur zweiten Seminarhälfte, gefahren…

Vorbereitungsseminar in Hirschluch

September 17, 2008 von Timo de Vries

Liebe Förderer, Liebe Freunde, Liebe Interessierte

Nach zehn Tagen Seminar in der Nähe von Berlin und fünf Tagen in einer kleinen Hütte in Norwegen bin ich nun für fünf Tage in Oslo, habe endlich wieder Internetzugang und komme dazu in meinen Blog zu schreiben um euch zu berichten wie es mir bisher ergangen ist:

Das Vorbereitungsseminar fand in einer Jugendbegegnungsstätte in Hirschluch, einem kleinen Ort in Brandenburg statt. Hier trafen zum ersten mal alle 150 ASF-Freiwilligen, die in die verschiedensten Länder gehen (USA, Israel, und ein großer Teil Europa), aufeinander. Die Jugendbegegnungsstätte ist wie ein kleines Dorf aufgebaut, so wohnten wir in verschiedenen Häusern auf dem Gelände verteilt. Weiterhin gab es ein Hauptgebäude mit Essenssaal, eine kleine Kapelle und einen Plenumssaal.
Ich wohnte zusammen mit Hannes (einem guten Freund von mir der in die USA geht – seinen Blog findet ihr rechts bei den Verlinkungen) und fünf weiteren Freiwilligen in einer kleinen Hütte, etwas abgelegen im Wald.

Das Seminar fand in Kleingruppen, gegliedert nach Ländern oder Projektbereichen, statt. In den Ländergruppen hatten wir die Möglichkeit mit ehemaligen Freiwilligen zu sprechen, erste Eindrücke der Landeskultur zu sammeln und uns auf unser jeweiliges Land einzustellen.

Hauptsächlich arbeiteten wir jedoch in den Projektarbeitsgruppen (PAG). Ich war in der PAG “Arbeit mit Menschen mit Behinderung” (Ich arbeite in einem Gehörlosen-Projekt). Hier hatten wir die Möglichkeit uns mit dem Thema Behinderungen allgemein auseinander zu setzten, lernten aber auch erste praktische Maßnahmen. So kann ich jetzt Menschen die Zähne putzen, sie wickeln oder füttern.

Abgesehen von diesem Hauptaugenmerk haben wir uns in unseren PAG’s mit der Geschichte und dem Anliegen und der Geschichte von ASF ausgiebig beschäftigt. Wer sich hierfür näher interessiert kann einiges auf der Homepage von ASF (siehe Link) nachlesen.

Neben der Arbeit in Kleingruppen hatten wir allerlei Rahmenprogramm: Wir haben verschiedene Vorträge gehört, ein Theater mit Behinderten (“RambaZamba”) besucht und uns sonst die Zeit mit Sport oder musizieren vertrieben.

Insgesamt denke ich, dass mir die Zeit in Hirschluch viel gebracht hat. Sowohl das Seminar an sich, als auch für zehn Tage mit 150 anderen Freiwilligen auf engstem Raum zu leben, Vorfreude, Sorgen und Ängste zu teilen, hat mir bei der Vorbereitung geholfen!

Jetzt gehn wir in eine norwegische Oper, sobald ich wieder Zeit habe werde ich euch vom Seminar in der Hütte erzählen…

Alle ASF-Freiwilligen (das Bild soll ein Ampelmännchen darstellen…)

Noch 5 Wochen…

Juli 24, 2008 von Timo de Vries

Ich sitze grade auf unserm Balkon und verfasse den ersten Eintrag meines Blogs: Langsam steigt die Vorfreude aber auch die Nervosität  – ich habe keine Ahnung was mich erwarten wird. Hauptsächlich beschäftigen mich die Fragen, ob ich mich mit den gehörlosen Kindern verständigen kann, ob ich mich in solch einem kleinen Dorf wolfühle werde und ob ich es schnell schaffe Anschluss zu finden um ohne Freunde und Familie klar zu kommen.

Immerhin weiss ich schon wo ich leben werde: Im so genannten „Fredsarbeiderhus“:

Ich genieße die Letzten Wochen in Düsseldorf, auch wenn es noch einiges zu erledigen gibt, und freue mich auf ein unvergessliches Jahr

Timo